Erklärung der Roma-Aktivist*innen zur Besetzung des Mahnmals für die während des Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti

Einigen von uns droht die Abschiebung. Andere sollten abgeschoben werden. Mit den Gesetzesänderungen der letzten Monate ist die Situation für uns sehr schlecht geworden.

Denjenigen, die in dieser Zeit neu nach Deutschland kommen, um hier Schutz zu suchen gelingt es oft gar nicht mehr, überhaupt hier anzukommen: kaserniert in Sonderlagern für u.a. Balkanflüchtlinge müssen sie eine Bearbeitung der Schutzgesuche abwarten, nahezu hundert Prozent davon Ablehnungen. Eine Bleibeperspektive wird von vornherein ausgeschlossen und gesetzlich verhindert. Ob organisierte Sammelabschiebungen oder die unmissverständlichen Aufforderung zur »freiwilligen Rückkehr« – abgespalten von den Flüchtlingen, deren Fluchtgründe als legitim gelten wird uns eine nur »geringe Bleibeperspektive« zugeordnet, dementsprechend werden uns Wege zu einem gleichberechtigten Leben hier versperrt. Ob wir seit drei Monaten hier leben, seit 2 oder 20 Jahren – wenn wir in die Staaten gehen deren Adler unsere Papiere ziert, dann erwarten uns Verfolgung, Rassismus, Ausschluss – und keine Spende aus Westeuropa kann unsere Probleme dort lösen. Die Lösung unserer Probleme liegt hier.
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03.06.16: Demo und Dauerkundgebung – Alle Roma bleiben!

Bleiberecht für alle Roma.
Solidarität mit den vom „Denkmal für die im Nationalsozialismus
ermordeten Sinti und Roma“ geräumten Roma.
Demonstration zum und Dauerkundgebung bis Sonntag 5.6. vor dem Denkmal.
03.06.2016 um 17:00 Uhr am Alexanderplatz, Weltzeituhr

Weil Deutschland uns abschieben will und wir keine andere Wahl haben,
haben wir das „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti
und Roma“ am 22.05.2016 besetzt – den Ort, an dem an unsere deportierten
und ermordeten Großeltern erinnert werden soll. Die Politik sollte sich
schämen. Bereits kurz nach Mitternacht wurde unser Protest gewaltvoll
geräumt, unsere Kinder wurden an diesem Ort geschlagen und bedroht. Das
haben wir und unsere Kinder nicht verdient. Wir befürchten, dass auch
unsere Enkelkinder Gewalt, Ausgrenzung und Rassismus erleben werden.

Das werden wir nicht zulassen!

Deswegen werden wir am Freitag, den 03.06.2016 an diesen Ort
zurückkehren. Es ist der richtige Weg, um auf unsere Situation
aufmerksam zu machen. Es ist der richtige Ort! Wir haben den Platz
ausgesucht aus Respekt und als Würdigung unserer im Nationalsozialismus
ermordeten Vorfahren.
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